Ein paar Gedanken zu der makroskopischen Situation:
Die weltweiten Märkte befinden sich im schwierigen Fahrwasser. Unterschiedliche Experten warnen vor latenten Problemen an den wichtigsten Märkten der Welt:
- Die Aktien USA sind stark überbewertet. Der Shiller-KGV ist hoch, wie selten (in der Vergangenheit wurde das Niveau meist nur vor größeren Krisen erreicht)
- China hat ein massives Schuldenproblem, und hängt im hohen Maße von der Wirtschaft der USA ab
- Europa kriselt in mehrfacher Hinsicht: Eurokrise, massive wirtschaftliche Probleme der Südländer Italien, Spanien, Portugal; Zunehmende Austritts-Bestrebungen diverser Länder.
Weiterhin steckt die Welt in einer gewaltigen Verschuldungskrise. Was also tun? In Panik verkaufen und sich in den Atombunker zurückziehen?
Aus meiner Sicht erfordert die Situation eine differenzierte Betrachtung:
USA
Situation:
- Fakt: Die US-Märkte sind überbewertet.
- Fakt: die Verschuldung hat zugenommen. Viele Unternehmen haben Schulden zu Billig-Zinsen aufgenommen, um beispielsweise Aktien zurückzukaufen. Das hat die Aktienpreise nach oben bewegt.
- Fakt: Die FED kündigt weitere Zinsschritte ein, d.h. sie beendet die Zeit des billigen Geldes.
- Fakt: Trump hat sich "Protektionismus" auf die Fahnen geschrieben. "America First" bedeutet: Strafzölle auf Importe
Risiken und Folgen:
Verschuldung der Unternehmen
- In den US-Märkten sind viele positive Zukunftsaussichten eingepreist, aber keine Worst-Case-Szenarien.
- Die billigen Schulden der Unternehmen laufen irgendwann aus.
- Entweder, diese Unternehmenskredite werden zur Laufzeit getilgt - dann wirkt es sich in den nächsten Jahren negativ auf die Unternehmensgewinne aus --> von den Gewinnen müssen ja die Tilgungen bezahlt werden
- Oder die Unternehmenskredite werden am Ende der Laufzeit fällig gestellt - dann müssen die Unternehmen umschulden - in einer Zeit, wo die Zinsen garantiert höher liegen werden. Das wird sich in 5-10 Jahren negativ auf die Unternehmensgewinne auswirken.
- => Dank des billigen Notenbank-Geld wurde die Verschuldung der Unternehmen erhöht, die kurzfristig zu optisch höheren Unternehmensgewinnen (niedrigeren KGV) führt, langfristig aber einen negativen Effekt hat (KGV wird steigen)
- Interpretation: Die hohen Unternehmensgewinne in USA sind (teilweise) nur vorgezogene Gewinne aus der Zukunft
- => Wenn der KGV der Unternehmen bereits jetzt zu hoch ist, wird mit steigenden Zinsen der KGV weiter steigen und damit die Überbewertung.
- => Eine Korrektur der Märkte ist mittelfristig zu erwarten
Trumps Politik / Protektionismus
- Strafzölle für Importe bedeuten:
- Höhere Preise für Konsumgüter im Heimatland --> sinkende Konsumfreude (in einem Land, in dem der Konsum/Binnenmarkt) der wichtigste Wirtschaftstreiber ist
- Abwertung nicht-Dollar-Währungen: die Strafzölle könnten sich durch schwächere Währungen der Export-Länder ausgleichen --> konstante Kosten für importierte Güter in USA trotz Strafzöllen, dafür abnehmende Konkurrenzfähigkeit von US-Produkten auf dem Weltmarkt
- => Der Protektionismus würgt entweder den US-Binnenmarkt ab, und damit einen wichtigen Wirtschaftstreiber, oder die Exportchancen der US-Wirtschaft --> negativer Einfluss auf die Märkte
Fazit USA
Mein Ausblick ist negativ: die hohe Bewertung der Aktienmärkte wird fundamental mittelfristig nicht gerechtfertigt sein, Trumps Protektionismus könnte der US-Wirtschaft zusätzlich mehr schaden, als nützen.
Wie steht es nun mit Europa? Des einen Freud' des anderen Leid'? Oder hängt Europa am Topf der USA?
dazu mehr im späteren Beitrag....

Danke für die Analyse Peter! Sehr wahr...sehr wahr. Ich kann nur bei jedem Absatz zustimmen. Jedoch fehlt nach meiner Meinung auch noch etwas:
AntwortenLöschenpro USA:
- Steuererleichterungen von Trump für die Wirtschaft, sonstige Wachstumsprogramme
- dadurch deutlich höhere Schulden sind zu erwarten
--> beides treibt Aktien schon jetzt in Erwartung in die Höhe. wenn Trump es wirklich so umsetzt (und bei den andren Verpsrechen hat er es ja) wird das nochmal ein paar % Schub nach oben bringen. Auch die steigenden Schulden werden die Inflationsangst treiben (da Notwendig zum "Schuldenabbau") und auch das steigert das Interesse an Inflationsneutralen Werten wie Aktien.
Was überwiegt?... Ich denke die Händler werden deutlich nervöser in Zukunft werden...
Guter Punkt, Andreas. Ich bin mir selbst nicht sicher, wie es sich auswirken wird.
LöschenIn erster Linie sehe ich Konjunkturprogramme auf Pump so, dass BIP-Wachstum der Folgejahre vorgezogen wird.
Zumindest in Euroland ist jedoch festzustellen, dass pro eingesetztem Schuldeneuro die Wirkung auf das BIP immer geringer wird. Für USA liegen mir leider keine Zahlen vor. D.h. die Wirkung von Wachstumsprogrammen wird in Summe geringer.
Kurzfristig kann (und wird es wahrscheinlich) die Gewinnerwartungen anheben, aber auch das ist im Grunde genommen aus der Zukunft vorgegriffen.